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Theater

Winterkind

Aufgewachsen in der DDR. Theatrale Spurensuche in einer Kindheit zwischen Wochenkrippe und Kinderheim, Ausreiseanträgen und Stasi-Familie. Dokumentarisches Theaterprojekt aus Leipzig, Dresden und Nürnberg.

Eine Produktion der FEINE ESSENZ AG (Leipzig) mit Eleanora Allerdings (Nürnberg)

In jüngster Zeit und 35 Jahre nach der Wende kocht der Kampf um die Erklärungs- und Deutungshoheit der DDR-Geschichte erneut heftig hoch. Neue historische Sichtweisen werden in die teils hitzige Diskussion gebracht, es gibt offenbar immer noch viel Stoff für Kontroversen. Die aktuelle demokratische Entwicklung im Osten Deutschlands verleiht dem Diskurs zusätzlichen Sprengstoff.

Die Theatermacherin Lykke Langer hat sich vor einigen Jahren auf den Weg gemacht, ihre Kindheitsgeschichte zu erforschen. Ihr Aufwachsen in der DDR war von Aufenthalten in Wochenkrippe, Kinderheim und anderen staatlichen Betreuungseinrichtungen geprägt. Von Leistungssport, häufigen Schulwechseln und der Verweigerung von Mitgliedschaften in staatlichen Organisationen und den daraus resultierenden Folgen. Zu ihrer Familiengeschichte gehören Ausreiseanträge und die damit einhergehenden politischen Repressionen auf der einen Seite und familiäre Verstrickungen mit der Staatssicherheit auf der anderen. Ihre Lebensgeschichte steht exemplarisch für das Aufwachsen von vielen Kindern in der DDR – und bündelt dabei ungewöhnlich viel von dem, was die DDR an Konfliktpotential „zu bieten“ hatte.



DIE INSZENIERUNG
„Winterkind“ wird ein autobiografisches, dokumentarisches Theaterstück, das exemplarisch anhand einer Lebensgeschichte vom Aufwachsen im DDR-System und den Folgen erzählt. Auf ihrer Recherche trifft Lykke Langer immer wieder Menschen, die ähnliches erlebt und bis heute damit zu kämpfen haben. Was viele von ihnen eint, sind o. g. Lebensschwierigkeiten, das Gefühl, sich nur auf sich selbst verlassen zu können – und möglichst unauffällig, still und brav bleiben zu sollen. Das Bedürfnis, diesen verlorenen Kindheiten in die öffentliche Wahrnehmung zu bringen, ist bei den Betroffenen groß – denn Trauma braucht Sichtbarkeit, um heilen zu können.
Neben der Arbeit mit autobiographischem Material wird die Inszenierungsarbeit auch auf Recherchen fußen, die die Projektgruppe selbst durchführt: Archivbesuche, Interviews, Fotostrecken


DAS TEAM
Eleanora Allerdings (Regisseurin) hat ihre frühe Kindheit in Kasachstan verbracht. Sie ist Choreografin, Regisseurin, Theaterpädagogin und Stimmtrainerin nach K. Linklater. Sie verantwortet den Bereich Dokumentarisches/Biografisches Theater bei DAS Ei, Theaterpädagogisches Institut Bayern e.V. und hat u.a. mit dem deutsch-tschechischen Theaternetzwerk Böhmen Bayern (Cojc gmbH) zahlreiche dokumentarische Inszenierungen geschaffen.

Miho Kasama (Videokünstlerin) wurde in Sapporo, Japan, geboren und lebt und arbeitet heute in Nürnberg. Miho arbeitet seit 2009 in genreübergreifenden Kunstprojekten in Deutschland, der Schweiz und Japan, die mehrfach ausgezeichnet wurden. Sie arbeitet als Videokünstlerin für verschiedene deutsche Theater.


Premiere: 7. November 2024 im Projekttheater Dresden

Vorstellungen:
9.11.24 Projekttheater Dresden
13. & 14.12.24 Ost-Passage Theater Leipzig
24. & 26.1.25 Kulturforum Fürth

Eine Koproduktion der Feine Essenz AG mit dem Projekttheater Dresden und Eleanora Allerdings (Nürnberg).

Mit freundlicher Unterstützung der Sächsischen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.